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Ein Weblog von SWR2 Wissen und SWR International.
Seit nach dem 11. September die Grenze zwischen den USA und Mexiko immer stärker bewacht wird, steigt die Zahl der illegalen Einwanderer stetig. Wer es einmal in die USA geschafft hat, bleibt im Land, aus Angst, nach einem Heimatbesuch nicht wieder zurück in die USA zu gelangen und die hohen Schmugglerpreise nicht mehr bezahlen zu können. Die Borderangels, die für illegale Einwanderer in der Grenzregion schon seit 21 Jahren Decken, Wasser und Nahrungsmittel bereitstellen, betreiben seit fünf Jahren einen Radiosender, um die illegale Community mit Informationen zum Überleben in der Illegalität zu versorgen. Der Mittelwellensender ist empfangbar im südkalifornischen San Diego, im mexikanischen Tijuana sowie über das Internet. Silke Oppermann hat das kleine Studio unweit der amerikanisch-mexikanischen Grenze besucht.
Morones por la tarde - Morones am Nachmittag - ist eine Sendung für illegale Einwanderer. Jeden Tag eine Stunde lang spricht der Moderator Enrique Morones mit einem Experten, mit Vertretern der Menschenrechtskommissionen in San Diego und Tijuana, mit einem katholischen Geistlichen oder mit einem Anwalt, der auf Einwanderungsfragen spezialisiert ist. Wie heute. Anwalt, Moderator und Techniker sitzen im gleichen Raum des kleinen Studios. Die Hörer können anrufen und Fragen stellen. Ein Lämpchen blinkt, der Techniker schiebt Moderator Enrique Morones einen Zettel zu. Mario aus Tijuana ist in der Leitung. Marios Bruder hat einen Auswanderungsantrag gestellt. Das war im August. Bisher hat er keine Antwort erhalten, nicht einmal eine Eingangsbestätigung. Marios Bruder kann einem Schwindler zum Opfer gefallen sein. In Mexiko und den USA gibt es Betrüger, die aus der Verzweiflung der Einwanderer Profit schlagen, die Einwanderer für viel Geld selbst gebastelte Formulare ausfüllen lassen und sich dann aus dem Staub macht. In den letzten Monaten setzten solche Betrüger das Gerücht in die Welt, der amerikanische Kongress habe schon jetzt ein neues Gesetz erlassen, dass die Legalisierung bisheriger Illegaler in den USA ermögliche.
Anwalt Edward Orendain:
Wir versuchen, den Leuten klar zu machen: keine der Gesetzesvorlagen ist bisher verabschiedet worden. Achtet auf die Medien, aufs Radio, aufs Fernsehen. Sie werden euch rechtzeitig informieren. Aber im Moment seit einfach vorsichtig bei Leuten, die euer Geld für so etwas jetzt kassieren wollen. Wir wissen nicht, wann das Gesetz verabschiedet wird und wir wissen nicht, was dann die Bedingungen sein werden.
Moderator Enrique Morones ist gleichzeitig der Initiator der Sendung. Vor fünf Jahren traf er - damals Marketingdirektor der Baseballmannschaft San Diego Padres - den erfolgreichen Geschäftsmann Jaime Bonilla, Besitzer von 2 spanischsprachigen Fernsehkanälen und 18 Radiosendern, erinnert sich Enrique Morones.
Damals wollte ich das Baseballteam, die San Diego Padres, ins spanischsprachige Radio bringen, um den vernachlässigten Markt der Latinofans anzukurbeln. Und der sagte: Mit den Padres habe nichts zu tun, aber ich will, dass du eine Show mit mir machst. In der seit sechs Jahren schwelenden Debatte um die Reform der völlig veralteten Migrationsgesetze tritt Enrique Morones vehement für die Rechte der illegalen Einwanderer ein. Über seine Sendung rief er im vergangenen Winter als Erster zu einem Protestmarsch gegen die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses auf. Einen ganzen Monat lang fuhren die Protestierenden mit 111 Fahrzeugen an der Grenze entlang. Als wir zurückkamen, merkten wir, dass eine Massenbewegung eingesetzt hatte. Fünf Millionen Menschen überall im Land gingen auf die Straßen.
Während sich die Behörden nie in sein vielfältiges Engagement einmischen, hat Enrique Morones von militanten Einwanderungsgegnern schon mehrfach Todesdrohungen erhalten. Doch das hindert ihn nicht daran, seine Meinung zur Situation der Migranten in den USA zu äußern.
Morones por la tarde ist im Internet empfangbar auf www.latremenda1030AM.com