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Ein Weblog von SWR2 Wissen und SWR International.
Magdalena Ocotlán, ein kleiner Ort im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Die Nachmittagssonne wirft schon lange Schatten auf den schlecht gepflasterten Weg, der zum Dorfzentrum führt. Ein paar Kinder spielen Fangen oder Basketball. Eine Kirche, ein Schulgebäude, ein paar Steinhäuser – viel mehr hat die Tausendseelengemeinde nicht zu bieten. Die meisten Männer sind ausgewandert. Auf die andere Seite des Rio Grande, in die USA. Dort suchen sie Arbeit, träumen von Wohlstand.
Wer geblieben ist, lebt von ihren Überweisungen. Oft reicht das Geld nicht einmal für das Allernotwendigste. In der mexikanischen Provinz dominieren Hunger, Gewalt und Korruption das tägliche Leben. Gegen diese Verhältnisse sind im letzten Jahr Lehrer, die Dorfbewohner, Studenten und Linke im Bundesstaat Oaxaca auf die Barrikaden gegangen. Was als Streik für bessere Bezahlung, Schulhefte und Schuluniformen begann endete in einem Volksaufstand. Die Antwort der Regierung: Festnahmen, Folter, Misshandlungen. Hinter der Kirche liegt das Gewerkschaftshaus von Magdaléna Ocotlán. Dort arbeitet Danila Cerna. Sie ist Lehrerin und Gewerkschaftsvertreterin. Wie gegen viele Aufständische läuft auch gegen dieengagierte Menschenrechtsaktivistin ein Verfahren wegen der Beteiligung an Aktionen gegen die Regierung. Sie ist trotzdem fest entschlossen, in Oaxaca zu bleiben und den Kampf weiterzuführen:
Mein Land ist wunderschön, es ist einer der schönsten Bundesstaaten. Ich weiß, das klingt ein bisschen egoistisch, aber so empfinde ich das, und eigentlich haben mir das auch andere so gesagt. Trotzdem, hinter dieser Schönheit versteckt sich eine enorme Armut, eine Marginalisierung. Ich werde nicht gehen, nicht einmal jetzt, wo ich verfolgt werde. Ich bleibe hier, weil der Kampf hier stattfindet und wir ein stolzes Volk sind. Es wäre nicht würdevoll, wegzurennen. Vielleicht würdeich es als letzten Ausweg tun, aber es wäre für mich sehr schmerzhaft. Ich bleibe hier, denn ich komme von hier. Ja, ich werde mich verteidigen.
Auch José Ramérez Flores bleibt und kämpft für eine bessere Zukunft in Oaxaca. Der 35-jährige Familienvater ist seit einigen Jahren Gemeindepräsident im Dorf San Juan Copala:
Hier sind wir alle Bauern, hier verdienen wir nichts. Immer haben wir gearbeitet. Wir bestellen die Felder, aber das reicht nur, um die Familien am Leben zu halten. Wir verdienen nichts, nicht einen Peso den lieben langen Tag. Wir haben auch mal andere Produkte gesät, Weizen zum Beispiel, aber hier ist nichts mehr zu holen. Hier gibt es nicht viel Arbeit. Deshalb gehen sehr viele Companeros weg von hier. Die Wahrheit ist, dass ich auch schon mal weg war, um zu arbeiten und meiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Aber seit dem Jahr 2003 wurde mir Verantwortung übertragen. Zuerst war ich in Guadalupe Tilapa Copala, zwölf Kilometer von hier, die örtliche Gemeindeautorität. Zwei Jahre lang. Und danach hier in San Juan Copala.
Auch José Ramirez gehört zur APPO, der Versammlung des Volkes von Oaxaca, die den Volksaufstand organisiert hat. Zwar haben Polizeieinsätze die Rebellion beendet, aber von Frieden will hier niemand reden, sagt Flores. Noch immer sind viele in Haft, Oppositionelle wurden auf offener Straße entführt oder von Paramilitärs erschossen. Die Regierung unter Gouverneur Ulises Ruiz Ortiz hat ihre Zusagen nicht eingehalten, kritisiert Ramirez.
„Unsere Kinder warten noch immer, unter würdigen Bedingungen zur Schule zu gehen“. Das alles hat damit zu tun, dass die Regierung uns als indigenes Volk gar nicht wahrnimmt. Deshalb bin ich hier und helfe meinen Leuten. Jetzt habe ich diese Aufgabe übernommen. Ich kann nicht meine Familie verlassen. Ich kann sie nicht alleine lassen, sondern wir werden weiterhin daran arbeiten, damit die Regierung uns wahrnimmt und zuhört, und eines Tages werden wir ein Abkommen vereinbaren, damit es uns Indígenas besser geht.